Love A – Nichts Ist Neu

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„Nichts ist Neu“ ist glücklicher Weise nur der Titel der neuen Love A Platte. Er wird den in den 12 Songs thematisierten Problemen jedoch mehr als gerecht. Neu mögen diese nicht sein, aber aktuell sind sie nach wie vor.

Albumcover

Albumcover

Ganz egal ob Krieg & Hass (Unkraut), Fremdenfeindlichkeit (Löwenzahn) oder scheiternde Existenzen (Verlieren), Love A schaffen es, sich allen in den Songs des Albums angesprochenen Problematiken sowohl kritisch als auch mit Wortwitz entgegenzustellen. Sie haben uns viel zu sagen und genau dafür lieben wir sie.
Zwei von den 12 Songs sind ebenfalls nicht neu, kommen aber in neuem Gewand daher. „Weder Noch“ und „Kanten“ dürften dem ein oder anderen ein Begriff sein. Love A veröffentlichten diese im Zuge ihrer 2 Konzerte im Januar 2016 auf 7“ Vinyl. Für das Album wurden sie noch einmal neu aufgenommen. Somit haben alle, die im letzten Jahr leer ausgegangen sind die Chance sich diese beiden äußerst gelungenen Songs zu Gemüte zu führen.

Neu ist auch, dass das Album mit wesentlich weniger schrillen Gitarren auskommt, ohne weniger nach Love A, wie wir sie kennen, zu klingen. Das liegt übrigens nicht ausschließlich an Jörkks markanter Stimme. Er ist weniger „Schreihals“, wie er sich einst selbst betitelte, sondern hat sich fast schon zu einem Sänger gemausert. Nicht, dass ihm der Schreihals nicht gestanden hätte. Dennoch passt die Entwicklung gut in und auf das neue Album, denn es ist auch melodischer als seine Vorgänger.

(Was wohl die alten Frauen auf den Skateboards dazu sagen würden?)

Die erste Single „Nichts ist leicht“, die bereits im Februar das Licht, oder besser: die Ohren der Welt erblickte, dient als Opener und macht dabei einen sehr guten Job.

Wär so gerne wie die Anderen, die die scheinbar funktionieren, doch statt die Nerven zu behalten, bin ich kurz vorm Explodieren

Diese Reaktion erscheint angesichts der Probleme und Ungerechtigkeiten, auf die uns das Album aufmerksam machen will, durchaus gerechtfertigt.

Mit „Nachtbarn II“ gibt es nun auch eine Fortsetzung zu dem auf dem ersten Album „Eigentlich“ erschienen Song, in dessen Refrain es unter anderem „there’s no escape from my neighbourhood exept for Selbstmord“ heißt. Nachbarn II setzt genau dort an und behandelt dieses Thema. Einsame Menschen, die sich umgebracht haben und Nachbarn, die sich das Maul über deren Lebensstil zerreißen und von „Wenn man nichts nettes zu sagen hat, sagt man lieber nichts“ noch nie etwas gehört haben. Vor allem dann nicht, wenn sie die Verstorbenen und deren Lebenswandel genau unter die Lupe genommen haben. Kleinstadtleben lässt grüßen. Frei nach dem Motto „Ja ist gut, dass die Person jetzt nicht mehr unser Weltbild angreift“. Anders als oft bei Filmen eine äußert gelungene Fortsetzung.

„War klar“ richtet sich klar an all die Menschen, die nicht wahrhaben wollten, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit immer noch ein Problem sind. An die, die die Augen vor Pegida, der AfD, Trump & Co verschlossen haben und der Meinung waren, diese Menschen hätten keine Chance einflussreiche Positionen in der Gesellschaft einzunehmen. Oder schlimmer noch, DIE, die dachten, es ginge sie nichts an.

Spoiler:

„Wir haben gesagt, dass es uns traurig macht // haben gesagt, dass es uns stört // haben gesagt, so kanns nicht weitergehen // niemand hat auf uns gehört“

Aber ein Song allein reicht dabei nicht aus. Unkraut dringt noch etwas tiefer in die Materie ein und richtet sich an die Hassenden, die Mitläufer, oder wie Love A es ausdrücken, an Arschlochmenschen jeglicher Art überall auf diesem Planeten, „weils keine Grenzen gibt, was den Hass anbelangt.“

Wer der Ansicht ist, Musik dürfe nicht politisch sein, sollte sich diese Platte besser nicht anhören, denn sie könnte dessen Meinung ändern.

LoveA_Bandfoto2_by_AndreasHornoff

Aber keine Angst: Love A haben mehr als nur das eine Thema, auch wenn es sich wie eine Art Leitfaden durch das Album zieht. „Sonderling“ und „Weder Noch“ befassen sich mit Vorurteilen, Schubladen und dem Wunsch danach anders und besonders zu sein.
Gerade bei Sonderling brechen Love A vor allem auch Musikalisch aus der Schublade „Punk“ aus und präsentieren einen äußerst tanzbaren Hit.

Sind Love A erwachsen geworden? Nein. Sie sind genauso angepisst wie früher, wissen es aber immer wieder neu zu verpacken, über sich hinauszuwachsen und mit jeder Platte noch besser zu werden, auch wenn man sich das gar nicht hätte vorstellen können.

Love A haben sich hier einiges von der Seele geschrieben, und wir können dankbar dafür sein, denn diese Platte ist ein absoluter Knaller. Sie spiegelt viel des aktuellen Weltgeschehens wieder und ist dennoch zeitlos. Denn wie eingangs schon erwähnt, die Probleme sind nicht neu und gerade deshalb ist dieses Album auch so wichtig.

Nichts ist neu ist vielleicht das beste Love A Album bisher.

Es erscheint am 12.05. auf Rookie Records.

Konzerttermine „Nichts ist Live“

11.05. – Münster – Gleis 22 (Ausverkauft)
12.05. – Nürnberg – Desi
13.05. – Berlin – Festsaal Kreuzberg
24.05. – Hamburg – Molotow (Ausverkauft)
25.05. – Düsseldorf – zakk
26.05. – Wiesbaden – Schlachthof Wiesbaden
27.05. – Leipzig – Conne Island

Weitere Termine:

01.07. – Trier – Sommerbühne Ex-Haus
29.09. – Hannover – Faust
30.09. – Flensburg – Volksbad
01.10. – Rostock – Peter Weiss Haus
02.10. – Bremen – Tower
27.10. – Weinheim – Café Central
28.10. – Koblenz – Circus Maximus

Love A werden auch auf verschiedenen Festivals auftreten.

 

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1 Comment

  • Reply
    Live #28: Love A (11.05.2017, Münster) |
    14. Mai 2017 at 21:55

    […] Album wurde mir sehr ans Herz gelegt. Zuletzt von Mara, das eine Rezension geschrieben hat, die ihr hier nachlesen […]

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